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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die wirtschaftliche Lage der ländlichen Bevölkerung in Deutschland allgemein sehr schlecht. Vor allem in Franken führte die sogenannte Realteilung im Zusammenhang mit hohen Geburtenraten zu immer größerer Armut. Zinswucherer nutzten diese Notlage skrupellos aus und brachten so manchen biederen Bauersmann um sein Hab und Gut.
Der weitsichtige Landbürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen aus Weyersbusch im Westerwald wollte sich mit diesem Zustand nicht abfinden und förderte die Idee zur Selbsthilfe. Die Bevölkerung sollte sich zusammenschließen und nach dem Motto „Einer für alle - alle für einen" gegenseitige Hilfe zukommen lassen.
Auch in Fuchsstadt, das von jeher nicht reich begütert war, keimte dieser Gedanke. Dem Ortspfarrer Otto Büttner war es vorbehalten, die Idee zur Selbsthilfe auch in Fuchsstadt Wirklichkeit werden zu lassen. Am
9. Juli 1893 wurde auf seine Anregung hin der „Darlehenskassenverein Fuchsstadt' gegründet. Aus der damals überwiegend bäuerlichen Bevölkerung fanden sich 75 Bürger zusammen und setzten die Idee Raiffeisens in die Tat um. Am 5. August 1893 wurde der Verein beim königlich bayerischen Landgericht in Schweinfurt in das Gerichtsregister eingetragen und damit als juristische Person geschäftsfähig.
Der Sinn und Zweck der Vereinsgründung kommt in § 2 der Gründungsurkunde klar zum Ausdruck: „Der Verein hat den Zweck, seinen Mitgliedern die zu ihrem Geschäfts- oder Wirtschaftsbetrieb nötigen Geldmittel unter gemeinschaftlicher Haftung in verzinslichen Darlehen zu beschaffen, sowie Gelegenheit zu geben, müßig liegende Gelder verzinslich anzulegen, sowie seine Mitglieder mit landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln zu versorgen."
Aus kleinen Verhältnissen heraus entwickelte sich diese Einrichtung für die Bevölkerung von Fuchsstadt sehr segensreich. Sie blieb ihrem Gründungsmotto treu und trug viel dazu bei, daß auch schwierige Zeiten wie Krieg und Inflation schadlos überstanden werden konnten.
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